Ein Meilenstein

Ein weiterer sonniger Morgen bricht an. Zum Frühstück stellen wir unsere Bank in die Sonne – das ist Urlaub vom Feinsten.

Die heutige Etappe führt uns noch einmal durch die ruhige Altstadt von Røros. Es ist früh, die Geschäfte sind geschlossen, und Touristen sind keine zu sehen. Nur wir, der Pflasterstein und die Morgensonne.

Der Weg steigt stetig an, bald lassen wir die letzten Häuser hinter uns. Die Bäume werden spärlicher, bevor uns auf der anderen Seite des Bergrückens dichter Birkenwald aufnimmt. Auf schmalen, verschlungenen Pfaden nähern wir uns Glåmos.

Mittagspause machen wir vor der Schule – es sind Ferien, also kein Mensch weit und breit. Meine Socken sind durch die sumpfigen Stellen im Wald natürlich wieder nass. Also: ausziehen, aufhängen, Sonne nutzen. Bei der Kirche füllen wir an einem der Außenwasserhähne unsere Flaschen auf.

Ein weiteres kurzes Stück Straße liegt noch vor uns, dann biegen wir auf eine Fortstraße Richtung Fjell ab. Laut Karte soll da eine Brücke kommen – in der Realität sehen wir nur: Wasser. Tiefes Wasser. Also: rein ins Adamkostüm, Rucksack über den Kopf und rein da. Wir waten bis zum Hals durchs kalte Nass, bringen alles fast trocken ans andere Ufer. Später erzählt uns ein Norweger, dass es längst eine neue Straße gäbe. Aha. Die war auf keiner unserer Karten eingezeichnet.

Immerhin: So sind wir heute doch noch zu unserem erfrischenden Bad gekommen.

Der Pfad verliert sich bald. Aber das Gelände ist offen und gut gehbar. Wir steuern den Litjskarven an – sein Gipfel soll der Schlüssel ins nächste Tal sein.

Nach 32 Kilometern schlagen wir unser Lager auf knapp 1000 Metern Höhe auf. Und ich bin einfach nur glücklich und zufrieden: Ich habe mein erstes großes Ziel erreicht – 1.000 Kilometer zu Fuß durch Norwegen.

Zur Feier des Tages gibt’s einen Schluck Gin aus der Rucksackküche. Auf viele weitere.

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert