Sonne, Mond und keine Sterne

Um 3:30 Uhr geht der Wecker. Verrückt? Vielleicht. Aber wenn man bei klarem Himmel in einer Hütte mit freiem Blick nach Osten schläft, dann will man den Sonnenaufgang um 3:38 Uhr nicht verpassen.

Zuerst überrascht uns allerdings ein anderer Himmelskörper: ein riesiger Vollmond verabschiedet sich im Westen – den hatten wir gar nicht am Radar. Die Sonne allerdings geht deutlich weiter im Nordosten auf als erwartet – auch nicht am Radar. Leider steht dort ein Hügel im Weg. Also heißt es: Morgensport! Wir kraxeln noch etwas schlaftrunken den Hang hinauf und sind pünktlich oben. Die Gelsen leisten uns Gesellschaft, als wir in aller Stille den neuen Tag begrüßen. Um kurz nach vier liegen wir wieder in unseren Schlafsäcken.

Heute stehen etwas mehr als 30 Kilometer bis zur Nedalshytta auf dem Plan. Die erste Hälfte bis Stugudalen läuft wie am Schnürchen: gute Wege, flottes Tempo und immer das grandiose Sylan-Gebirge im Blick, wo auch die heutige Hütte liegt.

Am Joker-Markt machen wir eine ausgiebige Mittagsrast. Ich gönne mir mein zweites Eis in Norwegen – wann, wenn nicht heute? Es ist der bisher heißeste Tag. Kein Schatten, keine Wolken, keine Gnade.

Die zweite Hälfte zieht sich. Anfangs kommen wir auf einer Schotterpiste noch gut voran. Bei einem See machen wir eine wunderbare Pause – inklusive Schwimmen.

Danach wechseln wir auf den E1-Fernwanderweg. Ein Fehler. Das Gelände ist mühsam: auf und ab, durch Sumpf, über Steine, wieder durch Sumpf – die Füße sind nass, der Kopf ist heiß, und nach fast 30 Kilometern wird jeder Tritt zäher.

Wir kapitulieren vor der Topografie und nehmen einen 2 Kilometer langen Umweg in Kauf, nur um wieder auf die Straße zu gelangen. Kurz vor sechs erreichen wir schließlich die Hütte.

Drinnen herrscht norwegische Pünktlichkeit: Um 18:00 wird gegessen – nicht später, nicht früher. Der junge Rezeptionist fragt in der Küche nach, ob wir noch etwas bekommen können. Glück gehabt! Schnell duschen, umziehen, um Punkt 18:05 sitzen wir als Letzte im Speiseraum. Alle anderen sind schon da und hören dem Hüttenwirt zu, der das Abendmenü erklärt.

Es gibt ein drei Gänge Menü, und ich kann bei keinem Gang widerstehen. Zweimal nehmen, sich dann über einen vollen Bauch wundern – selbst schuld. Aber das Essen ist fantastisch, und nach diesem Tag ist der Hunger einfach grenzenlos.

Danach bauen wir unter Gelsenattacken unsere Zelte auf – der Schweiß rinnt wieder. Also ab unter die Dusche. Und weil’s jetzt auch schon egal ist: gleich noch ein Abstecher in die Sauna. Unsere müden Muskeln danken es uns stillschweigend.

Den Abend lassen wir bei einer kühlen Limonade ausklingen. Draußen glüht noch die Abendsonne, drinnen glühen die Wangen – vom Wandern, der Sauna und dem Schlemmen.

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